Tagung: Medizin im Übergang. Gesundheitspolitik im geteilten und vereinigten Deutschland von den 1980er bis in die 2000er Jahre


Zur Tagung
Das Gesundheitswesen der DDR wird bis heute als ein positives Beispiel des ostdeutschen Sozialstaates und dessen Umbau nach der Wiedervereinigung als Verlust erinnert. Lässt sich aber "Der Aufbau Ost" im Gesundheitswesen als "Nachbau West" beschreiben oder muss eher von einer "Ko-Transformation" ausgegangen werden? In einer längeren zeitlichen Perspektive, die mit den gesellschaftspolitischen Trends in den 1980er Jahren - Vermarktlichung, Ökonomisierung, Privatisierung - einsetzt und über die Wiedervereinigung von 1990 bis in die frühen 2000er Jahre hinausgeht, nimmt die Konferenz Übergänge in Medizin und Gesundheitspolitik in Ost- und Westdeutschland in den Blick.

Organisator*innen: Jutta Braun (ZZF Potsdam), Wiebke Lisner (Institut für Ethik, Geschichte und Philosophie der Medizin, MHH), Pierre Pfütsch (Institut für Geschichte der Medizin, Bosch Health Campus), Winfried Süß (ZZF Potsdam), Jonathan Voges (ZZF Potsdam/Hannover)


Programm

Donnerstag, 11. Juni 2026

13.00-13.30 Uhr: Begrüßung und Einführung
Wiebke Lisner (Hannover)
Jonathan Voges (ZZF Potsdam/Hannover)

13.30-14.00 Uhr: Keynote
Winfried Süß (ZZF Potsdam): Gesundheitspolitik in der Transformationsgesellschaft. Ideen, Institutionen, Konflikte

14.00-15.30 Uhr: Panel 1
Abwicklung und (keine) Neugründung: Die Medizinischen Akademien der DDR
Moderation: Florian Bruns (Dresden)

Christian Vogel (Magdeburg): Transfer und Transformation. Kunst und Architektur an der Medizinischen Akademie Magdeburg in Übergangszeiten

Susanne Doetz (Dresden): Die Medizinische Akademie Dresden im Umbruch. Transformation der Dresdner Hochschulmedizin 1989-1995

Aron Schulze (Dresden): Abwicklung versus Neugründung: Standortpolitik in Erfurt und Dresden im Vergleich

15.30-16.00 Uhr: Kaffeepause

16.00-17.30 Uhr: Panel 2
»Umbau« und Transformation: Orte und Institutionen
Moderation: Pierre Pfütsch (Stuttgart)

Axel C. Hüntelmann (Wien): »Kosten und Effizienz im Gesundheitswesen«. Krankenhausfinanzierung zwischen blühenden Landschaften und Sparzwang

Marie Holtin (Bremen): »1990: Jahr der Hoffnung und des Umschwungs?« Die „Wiedervereinigung“ im deutsch-deutschen Kurwesen

Clemens Janke (Braunschweig): Transformationsprozesse des wissenschaftlichen Gerätebaus an der Medizinischen Akademie Magdeburg in den 1980er Jahren bis zur Wendezeit

18.00 Uhr: Abendessen

Freitag, 12. Juni 2026

9.00-10.30 Uhr: Panel 3
Biografien und Professionen
Moderation: Wiebke Lisner (Hannover)

Johann-Philip Starke (Hannover): Annäherung und Vereinigung der deutsch-deutschen Ärzteschaft im Zuge der AIDS-Pandemie Ende der 1980er Jahre

Pierre Pfütsch (Stuttgart): Die Transformationszeit als Katalysator? Zur Akademisierung der Pflege im vereinten Deutschland (1990-2000)

Katharina Eger (Halle): Arbeit zwischen Fürsorge und Vermarktlichung – Biografische Selbstdeutungen in Tagebüchern ostdeutscher Frauen in medizinischen Arbeitszusammenhängen der 1990er Jahre

10.30-10.45 Uhr: Kaffeepause

10.45-12.15 Uhr: Panel 4 
Konzepte und Wissen
Moderation: Jonathan Voges (ZZF Potsdam/Hannover)

Jutta Braun (ZZF Potsdam): Sportärzte vor Gericht - Die Dopingprozesse der 1990er Jahre

Henriette Günther (Hannover): Geschlechtsangleichungen im Gesundheitssystem der DDR in den 1980er Jahren

Christian Sammer (Heidelberg): »Gesund wie Ben und Anne«. Die Förderung kindlicher Gesundheit während der Transformation der Gesundheitsaufklärung, 1985–1995

12.15-12.30 Uhr: Pause

12.30-13.15 Uhr: Abschlussdiskussion
Moderation: Jutta Braun (ZZF Potsdam)
Kommentar: Malte Thießen (Münster)

13.15 Uhr: Imbiss und Ende

Moving Labs: Lasst uns reden! Plauen — was war, was ist, wo wollen wir hin?

Stadtspaziergänge, Workshop, Tischgespräche und Lesung
30. Mai 2026, 10:30-16:30 Uhr, Duale Hochschule Plauen

Zusammen mit Leipzig hatte sich Plauen für das »Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation« beworben. Viele Einwohner haben diese Bewerbung nach Kräften unterstützt, sich intensiv mit ihrer Stadt und deren Geschichte befasst und dabei Neues zutage gefördert und längst Vergessenes ins Gedächtnis zurückgerufen. Kurzum: der Bewerbungsprozess wurde von der Stadtgesellschaft mit großem Einsatz und viel Energie betrieben. Den Zuschlag erhielt letztendlich jedoch die Stadt Halle.
Die Veranstaltung will die Energie der Bewerbungsphase aufnehmen, Plauen und seine Menschen ins Zentrum rücken, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit relevanter Forschung dazu einladen, ihre Erkenntnisse zu teilen, mit Akteuren der Stadt bei Tischgesprächen in einen Austausch zu kommen. Darüber hinaus bieten wir Ihnen die Gelegenheit zur Teilnahme an einem Resilienzworkshop (Details siehe unten).

Die Verbundenheit der Stadt Plauen zur Textilindustrie zeigt bereits ihr Beiname: Spitzenstadt Plauen. Spitze war Plauen jedoch nicht allein im Textilgeschäft. Auch die Friedliche Revolution nahm hier einen frühen und bis heute vieldiskutierten Anfang. Aber welche Bedeutung hat dieser Aufbruch für die Gegenwart? Wie wirkte er sich auf die lokalen Industriezweige aus und wie beeinflusste der Umbruch nach 1989/90 städtische Kultur- und Sozialeinrichtungen? Ein Blick nach vorn ist auch geplant: Was wünscht sich die Stadt in Zukunft für das soziale Miteinander, für Versorgung, Kultur und Wirtschaft? Verschiedene Tischgespräche adressieren in dieser Hinsicht wichtige Herausforderungen wie den öffentlichen Nahverkehr, eine nachhaltige Stadtentwicklung und die digitale Transformation.

Das von der Stadt Plauen und dem Leibniz-Lab »Transformationen und Umbrüche« organisierte Programm beginnt mit zwei Themenspaziergängen durch die Stadt. Herzstück des Veranstaltungstages sind Tischgespräche mit zahlreichen Themen und Expertinnen und Experten. Als besonderes Angebot gibt es für 12 Personen die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Workshop »Stärkung der persönlichen Resilienz«. Danach besteht die Möglichkeit, bei der zweiten Runde der Tischgespräche dabei zu sein. Zum Abschluss erfolgt eine Lesung des Projektes »Schreib dich durch die Neunziger«, das individuelle Umbruchserfahrungen ostdeutscher Bürger und Bürgerinnen präsentiert.

Informationen zur Veranstaltungen finden Sie auch auf der Website des Leibniz-Labs.


Ablauf

10:30 Uhr: Begrüßung und Vorstellung der Programmpunkte in der Berufsakademie

11:00 Uhr: Start Stadtspaziergänge auf 2 Routen

12:15 Uhr: Mittagsimbiss in der Berufsakademie

13:15 Uhr: Start Tischgespräche & Start Workshop Resilienz

14:45 Uhr: Pause mit Kaffee und Kuchen

15:15 Uhr: Fortsetzung Tischgespräche & Lesung

Ende gegen 16:30 Uhr

Weitere Informationen zum Workshop:
Workshop zum Thema »Stärkung der persönlichen Resilienz«, Dauer ca. 75 Minuten. Geleitet wird der Workshop von Rosa Horneff (M.Sc. Psychologie), Referentin und Coach am Leibniz-Institut für Resilienzforschung Mainz. Resilienz ist der Prozess der Aufrechterhaltung oder Rückgewinnung der psychischen Gesundheit während oder nach aufreibenden Lebensereignissen. Nach aktuellen Forschungsergebnissen gilt Resilienz als lebenslanger Lern- und Entwicklungsprozess, der trainierbar ist. Dieser Workshop bietet eine Einführung in die Themen Resilienz sowie Stress(-bewältigung) und die Frage wie wir unsere psychische Widerstandsfähigkeit ganz konkret im Alltag stärken können. Die Zahl der Teilnehmenden ist auf zwölf beschränkt.


Kooperationsveranstaltung der Stadt Plauen mit dem Leibniz-Lab »Umbrüche und Transformationen« unter Beteiligung folgender Leibniz-Institute: Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, Leibniz-Institut für die Geschichte und Kultur des östlichen Europas, Leibniz-Institut für Länderkunde, Leibniz-Institut für Resilienzforschung, Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam im Rahmen der Reihe »Moving Labs«

Kolloquium zur Geschichte Osteuropas

Im Sommersemester 2026 veranstaltet Osteuropa-Institut (OEI) der Freien Universität Berlin das Kolloquium zur Geschichte Osteuropas. Das Kolloquium findet in der Regel mittwochs von 16-18 Uhr im OEI (Garystr. 55, Raum 105) statt. Ausnahme ist der erste Termin am Donnerstag, 30. April 2026. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Drei Veranstaltungen werden gemeinsam mit der Abteilung I »Kommunismus und Gesellschaft« des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) organisiert:

27. Mai 2026
Alisa Lozhkina (ZZF Potsdam): From Iron Curtain to Inner Vision: Psychedelics, Spiritual Awakening, and Political Imagination in Ukrainian Art after the Fall of Communism

17. Juni 2026
Irina Roldugina (University of Bristol): Forged or Authentic? Soviet Homosexuals’ letter to Marinus van der Lubbe and its interpretations

24. Juni 2026
Alexander Reznik (Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa, Lüneburg): The »Civil War« That Wasn't: Political Emotions in Perestroika and Post-Soviet Russia

Allgemeine Informationen zum Kolloquium und zu den weiteren Terminen erhalten sie hier.

Buchvorstellung und Gespräch mit dem Autor: Stefano Bottoni - "Orbán. Die Biografie. Vom Dorffußballer zum globalen Vorbild der Illiberalen“

Zeit: 14 - 16 Uhr
Die Veranstaltungssprache ist Englisch.
Interessierte Gäste können ohne Anmeldung teilnehmen. 


PROGRAMM 
Gespräch des Autors mit Jan C. Behrends (ZZF Potsdam) über das politische Leben von Viktor Orbán, der historischen Einordnung der Entwicklungen in Ungarn seit 1989 und den Blick auf die aktuelle politische Lage nach der jüngsten Wahl in Ungarn. 

Das Buch "Orbán. Die Biografie. Vom Dorffußballer zum globalen Vorbild der Illiberalen" zeichnet das politische Leben von Viktor Orbán nach und verbindet dessen Aufstieg mit einer fundierten historischen Analyse der politischen, gesellschaftlichen und institutionellen Entwicklungen Ungarns seit 1989. Zugleich entwirft es ein differenziertes Gesamtbild des postkommunistischen Ungarn aus mitteleuropäischer Perspektive und zeigt, wie sich das Land seit Orbáns Machtübernahme 2010 von einer unvollkommenen, aber demokratisch legitimierten Ordnung schrittweise zu einem zunehmend autoritären, illiberalen System entwickelt hat. Im Zentrum steht weniger eine klassische persönliche Biografie als vielmehr die Untersuchung des politischen Systems Orbán, seiner Machtstrukturen und seiner ideologischen Transformation vom liberalen Reformer zum globalen Symbol illiberaler Politik. Auch über aktuelle politische Veränderungen hinaus bleibt das Buch hoch relevant, da es die gewachsenen Machtstrukturen und institutionellen Gefüge erklärt, die weit über einzelne Wahlausgänge hinaus fortbestehen können. Gleichzeitig interpretiert Bottoni Ungarns Entwicklung als europäisches Warnsignal, weil das Orbán-Modell weit über nationale Grenzen hinaus politische Strahlkraft entfaltet und internationale Debatten über Demokratie, Nationalismus und Autoritarismus beeinflusst. Das Buch ist in deutscher Übersetzung im Verlag Alhambra Press 2025 erschienen. 

Eine Veranstaltung des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)

Über den Autor 
Stefano Bottoni ist Tenure-Track-Assistenzprofessor am Fachbereich Geschichte (SAGAS). Zwischen 2009 und 2019 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte des Forschungszentrums für Geisteswissenschaften der Ungarischen Akademie der Wissenschaften sowie Gastwissenschaftler am Imre Kertész Kolleg Jena (März bis November 2015). Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der politischen und sozialen Geschichte Osteuropas unter den sozialistischen Regimen, mit besonderem Fokus auf Nationalitätenpolitik in Rumänien sowie den politischen Entwicklungen in Ungarn nach 1989. Zudem ist er aktiv am EU-kofinanzierten Bildungsprogramm „History in the Public Sphere“ beteiligt, wo er Mitglied des Ausschusses für Curriculumentwicklung und Qualitätssicherung ist. In den vergangenen 15 Jahren war er an mehreren internationalen Forschungsprojekten beteiligt, darunter „Schleichwege: Inoffizielle Begegnungen und Kontakte sozialistischer Staatsbürger 1956–1989“ (Volkswagen Stiftung, 2008), „Physical Violence in State Socialism“ (Zentrum für Zeithistorische Forschung, 2012–2015) sowie COURAGE, ein EU-gefördertes Horizon-2020-Projekt zur Erforschung kulturellen Dissenses im kommunistischen Osteuropa (2016–2019). Zu seinen Veröffentlichungen zählen unter anderem Long Awaited West. Eastern Europe since 1944 (Bloomington: Indiana University Press, Oktober 2017) sowie Stalin’s Legacy in Romania. The Hungarian Autonomous Region, 1952–1960 (Lanham: Lexington Books, Harvard Cold War Series, 2018).

Jutta Braun zur Debatte über Entschädigungen für DDR-Dopingopfer

Die Beauftragte der Bundesregierung für Ehrenamt und Sport, Christiane Schenderlein, hat eine Gesetzesinitiative angekündigt, die Dopingopfer der DDR dauerhaft entschädigen soll. Einigen der Betroffenen bleibt nicht mehr viel Zeit für die späte Gerechtigkeit. Jutta Braun ordnet die sich entwickelnde Debatte im Interview mit dem Deutschlandfunk in der Sendung „Sport am Sonntag“ ein. 

Podiumsgespräch: Über die Bilder hinaus: Rechte Gewalt in der späten DDR und den frühen 1990ern


Beginn: 18:00 Uhr

Rechte Gewalt und rechtsextreme Strukturen in der späten DDR sind lange Zeit wenig öffentlich thematisiert worden. Erst in den letzten Jahren rücken diese Aspekte stärker in den Fokus historischer Forschung und gesellschaftlicher Debatten. Ausgehend von fotografischen Arbeiten in der Ausstellung, die Jugendmilieus, Migration und gesellschaftliche Spannungen sichtbar machen, widmet sich das Podium dieser Veranstaltung der Frage, welche Formen rechter Gewalt es bereits in den 1980er Jahren in der DDR gab und wie sich diese Entwicklungen bis in die frühen 1990er Jahre fortsetzten.

Im Gespräch treffen unterschiedliche Perspektiven aufeinander:

  • Die Schriftstellerin und Journalistin Manja Präkels bringt persönliche sowie literarische Zugänge ein.
  • Der Politikwissenschaftler Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien (MMZ) ordnet die Geschichte und Ideologie der radikalen Rechten historisch ein.
  • Der Historiker Nikolai Okunew vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) ergänzt die Runde mit seiner Forschung zu rechter Gewalt in den 1990er Jahren und zu Jugendsubkulturen in der späten DDR.

Moderiert wird das Gespräch von der Mitkuratorin der Ausstellung, Isabel Enzenbach (ZZF). Gemeinsam sprechen sie darüber, wie sie sich an diese Themen heute erinnern und erzählen lassen und welche Bedeutung sie für aktuelle Debatten haben.


Das Podiumsgespräch findet statt im Rahmen der bis zum 14. Juni 2026 verlängerten Ausstellung „Das Weite suchen. Fotografien der späten DDR und frühen 1990er-Jahre“. Sie erzählt den Umbruch eines Jahrzehnts in Bildern. 


Weitere Informationen zu den Mitwirkenden finden sich auf der Veranstaltungswebsite des Brandenburg Museums für Zukunft, Gegenwart und Geschichte