Laura Haßler wurde am 14. Oktober 2026 an der Universität Potsdam mit der Bestnote "summa cum laude" promoviert. Ihre Dissertation zu Braune Jugend im Roten Jahrzehnt. Die NPD-Jugend 'Junge Nationaldemokraten' in der bundesrepublikanischen Gesellschaft (1966-1984) entstand im Rahmen des am ZZF Potsdam bearbeiteten Verbundprojektes zur Geschichte der Radikalen Rechten 1945-2000.
Gutacher der Arbeit waren Professor Frank Bösch (ZZF, Erstbetreuer) und Professor Gideon Botsch (MMZ Potsdam, Zweitbetreuer). Ein drittes Gutachten fertigte Professorin Annelie Ramsbrock von der Universität Greifswald an.
Die Dissertation von Laura Haßler zur NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN) schließt eine gravierende Forschungslücke, denn diese Schlüsselorganisation der bundesdeutschen radikalen Rechten ist bislang nicht archivgestützt untersucht worden.
Auf breiter Quellenbasis zeichnet Haßler nach, wie junge, in Westdeutschland aufgewachsene Rechte in den langen 1970er Jahren in der Demokratie Nationalismus praktizierten, welche Strukturen sie dazu aufbauten und wie sie ihre Überzeugungen präsentierten, welche Rolle das Verhältnis zur Mutterpartei einerseits und zur militanten nazistischen Rechten andererseits spielte, wie das Streben nach Individualität, Konsum- und Protestkulturen und sich wandelnde Ästhetik und Freizeitgestaltung die politischen Praktiken beeinflusste und wie andere Akteure der Bonner Republik aus Medien, Politik und Zivilgesellschaft damit umgingen. Ihre Dissertation geht dabei über eine reine Organisationsstudie hinaus und bietet stattdessen eine Sozial- und Kulturgeschichte, die die radikale Rechte in der Gesellschaft verortet. Dazu verknüpft sie die Geschichte der JN mit der Forschung zur Geschichte politischer Jugend, zur Popgeschichte und zur Zeitgeschichte des Selbst, was die Studie über die Nationalismus- und Rechtsradikalismusforschung hinaus anknüpfungsfähig macht. Vor allem schreibt Haßlers methodisch innovative Studie die Geschichte der JN als Teil der Demokratiegeschichte und zeigt, wie die rechte Jugend von der Demokratie geprägt wurde, wie sie sich an ihre Spielregeln anpassen musste, aber wie ihnen Liberalisierungsschübe auch Möglichkeitsfenster eröffneten, durch die sie ihrerseits auf die Demokratie wirken konnten.
Laura Haßler war Doktorandin in der Abteilung IV – Regime des Sozialen am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. Seit April 2025 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Allgemeine Geschichte der Neuesten Zeit an der Universität Greifswald.
