Am 04. Juli jährt sich der Gründungstag der USA zum 250. Mal. Anlässlich des Jubiläums sind zwei neue Texte auf zeitgeschichte | online erschienen. Jürgen Martschukat schreibt über den »Mythos 1776« und das ›Whitewashing‹, während ZZF-Historikerin Irmgard Zündorf von ihrem Ausfenthalt als Gastwissenschaftlerin am US-amerikanischen Nationalmuseum für Geschichte berichtet.
Spaziert man im Zentrum Philadelphias durch den ›Independence National Historical Park‹ an der ›Independence Hall‹ vorbei, stößt man nur einen Block weiter nördlich auf das ›President’s House‹. In der ›Independence Hall‹ erklärten Delegierte der 13 nordamerikanischen Kolonien am 4. Juli 1776 ihre Unabhängigkeit von Großbritannien. Dies gilt als Geburt der Vereinigten Staaten von Amerika. Vom ›President’s House‹ sieht man heute nur noch die wiederaufgebauten Grundmauern. Hier lebten von November 1790 bis Mai 1800 die ersten Präsidenten der neu gegründeten Republik, zunächst George Washington und dann John Adams. Philadelphia war in dieser Zeit die Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Wenn George Washington von seiner Plantage Mount Vernon in Virginia nach Philadelphia kam, um seinen Amtsgeschäften nachzugehen, sorgten über zwanzig Bedienstete im ›President’s House‹ dafür, dass es ihm und seiner Ehefrau Martha an nichts fehlte. Insgesamt neun dieser Bediensteten waren Sklavinnen und Sklaven. Der historische Erinnerungsort ›The President’s House‹ ist geschaffen worden, um ihre Geschichte zu erzählen.
Jürgen Martschukat arbeitet in seinem Text die Widersprüchlichkeit der US-amerikanischen Geschichtsschreibung und den Kampf um die öffentlichen Deutung heraus. Als Beispiel dafür zieht er die Erinnerungsorte ›Independence Hall‹ und ›President’s House‹ in Philadelphia heran.
Jürgen Martschukat, Mythos 1776. Das US-amerikanische Versprechen und das „Whitewashing“ der Geschichte, in: zeitgeschichte|online, 1. Juli 2026 , URL: https://www.zeitgeschichte-online.de/themen/mythos-1776
Irmgard Zündorf war 2025 für zwei Monate als Gastwissenschaftlerin am US-amerikanischen Nationalmuseum für Geschichte. Das National Museum of American History (NMAH) ist eines von elf Museen der Smithsonian Institution, die in Washington rund um die National Mall platziert sind. Die Mall ist eine Art Park, der in der Innenstadt zwischen dem Capitol und dem Arlington-Friedhof sowie dem Weißen Haus und dem Jefferson Memorial liegt. In diesem Park sind auch das United States Holocaust Memorial Museum sowie berühmte Personen- und Kriegs-Denkmale gelegen. Auf engem Raum wird hier Geschichte einer nationalen, aber auch internationalen Öffentlichkeit präsentiert – ein zentraler Ort der Public History.
In ihrem Beitrag berichtet Zündorf von ihrer Auseinandersetzung mit der Darstellung von Krieg und Gewalt in US-Museen. Außerdem schildert sie den Umgang der Museen mit der Politik der Regierung und Präsident Donald J. Trump.
Irmgard Zündorf ist Leiterin des Bereichs Public History am ZZF Potsdam. Sie war Teil des Projekts »Building a critical memory«, bei dem sich rund 50 Forscher*innen, Lehrkräfte, Museumskurator*innen und weitere Public Historians aus den USA und Deutschlands miteinander ausgetauscht haben.
Irmgard Zündorf, Museumsarbeit im Fokus politischer Interessen. Einblicke einer deutschen Gastwissenschaftlerin in die US-amerikanische Ausstellungspraxis, in: zeitgeschichte|online, 1. Juli 2026 , URL: https://www.zeitgeschichte-online.de/themen/museumsarbeit-im-fokus-politischer-interessen
zeitgeschichte | online ist ein Angebot der Plattform Zeitgeschichte digital, mit der das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) eine eigene digitale Forschungsinfrastruktur entwickelt.
