Jakob Saß hat seine Dissertationsschrift »Wehrwillig und verharmlost. Die radikale Rechte und die Bundeswehr im Kalten Krieg« erfolgreich an der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam verteidigt. Er wurde am 22. April 2026 mit der Bestnote »summa cum laude« promoviert. Gutachter waren Prof. Dr. Frank Bösch (ZZF Potsdam/Universität Potsdam) und Prof. Dr. Fabian Virchow (Hochschule Düsseldorf).
In seinem Dissertationsprojekt untersucht Jakob Saß erstmalig umfangreich und auf breiter Quellenbasis das ambivalente Verhältnis der radikalen Rechten und der Bundeswehr im Kalten Krieg und darüber hinaus. Im Vordergrund steht einerseits aus der zeithistorischen Perspektive die Handlungs- und Wirkungsmacht von rechtsradikalen Akteur:innen in der Parlamentsarmee und in ihrem Umfeld. Andererseits wird der staatliche Umgang mit rechtsradikalen Soldaten dargestellt. Zum Vergleich werden auch schlaglichtartig Entwicklungen in der NVA beleuchtet.
Zahlreiche rechtsradikale Vorfälle sorgen seit Jahren für Schlagzeilen: Soldaten fielen mit Hitlergrüßen auf, horteten Waffen und bereiteten sich auf einen Staatsstreich am »Tag X« vor. Alles »Einzelfälle«, wie das Verteidigungsministerium bis heute meist behauptet? Jakob Saß zeigt, dass sowohl das Problem als auch die Verharmlosung so alt wie die Parlamentsarmee selbst sind: Seit ihrer Gründung gilt die Bundeswehr als attraktiv für Rechtsradikale. Hierarchie, Waffen, Uniform, Kameradschaft und nicht zuletzt die Verherrlichung der Wehrmacht in der offiziellen Traditionspflege zogen sie an. NPD und rechte Terrorgruppen rekrutierten besonders im Kalten Krieg erfolgreich unter Soldaten, antisemitische Ausschreitungen wurden als makabre Witze abgetan. Zwar stellten solche Skandale immer wieder das Leitbild des verfassungstreuen »Staatsbürgers in Uniform« infrage, zwangen aber auch das Verteidigungsministerium zu Reformen. Die Arbeit untersucht damit zum einen, wie öffentliche Konflikte um Rechtsradikalismus Demokratisierungsprozesse in der Bundeswehr anstießen. Auf der anderen Seite werden weitreichende, jahrzehntelang gewachsene Gelegenheitsstrukturen in der Bundeswehr durchleuchtet, von denen teilweise noch heute die radikale Rechte profitiert.
Die Studie erscheint im Herbst 2026 im Verlag Hamburger Edition.
Jakob Saß forschte an seinem Promotionsprojekt seit April 2021 am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam im Rahmen des Verbundprojekts »Die radikale Rechte in Deutschland, 1945–2000«. Im aktuellen Sommersemester ist Saß Lehrbeauftragter für eine Übung zu digitalen Spielen und Geschichte im Masterstudiengang Public History der Freien Universität Berlin und des ZZF. Hauptberuflich ist Saß zurzeit Geschäftsführer des gemeinnützigen Unternehmens Game Change Lab, das die Bildung und Medienkompetenz durch den Einsatz von digitalen und analogen Spielen fördert.
