Der Verein für die Geschichte Berlins e.V. (VfdGB) hat mit seinem diesjährigen Wissenschaftspreis die ZZF-Wissenschaftlerin Dr. Elisabeth Kimmerle ausgezeichnet.
Ihre Dissertationsschrift über Arbeitsmigration aus der Türkei mit dem Titel "Frauen in Bewegung. Migrantische Aushandlungsräume des Politischen zwischen West-Berlin und der Türkei (1961-1990)“, überzeugte die Jury. Sie würdigte die Publikation als "herausragende, innovative Forschungsarbeit". "Der Verfasserin gelingt es, eine gänzlich neue Perspektive zur Migrationsforschung zu eröffnen. 19 türkischstämmige Frauen wurden interviewt. Intensive Archivrecherchen führten auch zu ungewöhnlichen, bislang unerschlossenen Quellen", heißt es in der Begründung der Jury. Die Verfasserin stelle mit der vorliegenden Arbeit die neuen Handlungsspielräume der aus der Türkei kommenden Frauen in West-Berlin dar und weise ihren Einfluss auf die Geschichte der Stadt in einer sprachlich hervorragenden Arbeit nach. Das Bewertungskriterium, auch internationale Verbindungen nach Berlin darzustellen, sei damit in besonderer Weise erfüllt, lobte die Jury die Forschungsarbeit von Kimmerle.
Den mit 4000 Euro dotierten Wissenschaftspreis 2025 erhielt Elisabeth Kimmerle im Rahmen des Neujahrsempfangs des Vereins für die Geschichte Berlins am 22. Januar 2026 im Roten Rathaus in Berlin. Die Wissenschaftlerin dankte dem Verein für die Auszeichnung als Anerkennung für die politischen Spuren, die Frauen aus der Türkei in Berlin hinterlassen haben. Ihr besonderer Dank galt den Zeitzeuginnen, ohne deren Vertrauen und Unterstützung diese Arbeit nicht möglich gewesen wäre, sowie Professor Frank Bösch und Privat-Dozentin Dr. Nora Lafi für die engagierte Betreuung ihrere Promotion als auch der Leibniz-Gemeinschaft und dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) für die Unterstützung.
"Es gelingt der Verfasserin, ein plastisches Bild zu zeichnen von der Zeit der 1960 bis in die 1980er Jahre, als türkische, kurdische, armenische, tscherkessische, alawitische und sunnitische Frauen hier sehr viel aktiver wurden, als wir es jetzt noch in Erinnerung haben. Die Arbeit von Elisabeth Kimmerle räumt überzeugend mit Vorurteilen und Stereotypen auf. Die Frauen aus der Türkei waren und sind nicht naiv. Aufbauend auf einem reichen Erfahrungsschatz sind sie losgezogen und haben aktiv Veränderungen herbeigeführt", lobte Professorin Susanne Kähler in ihrer Laudatio.
Elisabeth Kimmerle legte ihre am ZZF entstandene Dissertationsschrift im Juli 2024 vor. Im Dezember 2024 verteidigte sie erfolgreich ihre Arbeit an der Universität Potsdam mit der Bestnote „summa cum laude“. Das Buch ist inzwischen im Wallstein Verlag erschienen.
Der Verein für die Geschichte Berlins möchte mit der jährlichen Auslobung seines Wissenschaftspreises innovative Forschung einer jungen Generation zu neuen berlingeschichtlich relevanten Themen fördern. Dabei sind dem Verein Einreichungen mit transnationalen Themen besonders willkommen. Die Jury des Wissenschaftspreises 2025 bildeten: Prof. Dr. Susanne Kähler, Dr. Wolfgang Krogel, Claudia Melisch M.A., Prof. Dr. Thomas Sandkühler und Prof. Dr. Monika Wienfort.
