Der Leibniz-Forschungsverbund »Wert der Vergangenheit« widmet sich auf seiner Jahrestagung 2026 einer für den Verbund zentralen Kategorie: dem Orientierungswert der Vergangenheit.
In fünf Sektionen beschäftigen sich die Teilnehmer*innen mit dem Stellenwert, den historische Orientierung bieten kann: Die Tagung fragt nach dem Spannungsfeld von Orientierung und Desorientierung in Phasen gesellschaftlicher Umbrüche, beschäftigt uns damit, wie historische Begründungen und politische Visionen zusammenhängen, stellt die Frage, wie Mensch-Natur-Beziehungen als historisches Argument genutzt werden, und fragt nach den Werten, Konzepten und Formaten für Neu- und Umdeutungen im Museumsbereich, nach der Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Geschichte im öffentlichen Raum sowie nach der gegenwartsbewussten Aneignung von Geschichte in der Schule.
Die Tagung hat eine metareflexive Zielsetzung: Sie soll nicht normativ den Erkenntniswert der Vergangenheit beteuern oder bestreiten, sondern die früheren Zeiten, aber auch unserer Gegenwart jeweils eigentümliche Beziehung zur Vergangenheit und ihrer Nutzbarkeit genauer entschlüsseln helfen.
Im Zentrum der Tagung stehen die vielen Denkmuster, Erzähl- und Kommunikationsformen, in denen die Vergangenheit im zeitgenössischen Verständnis Orientierungswert für die Gegenwart und Zukunft besaß bzw. besitzt. Hierzu zählen etwa Erzähl- und Sinngebungsmuster (Analogien und Vergleiche, Vorbildkonstruktionen, Bekenntnisse), Beglaubigungskriterien und Ordnungsformen (wie Evidenzversicherung, Verfallsdenken, Kontinuitätsglaube, Traditionsbeschwörung, Fortschrittsbewusstsein) und Vermittlungs- und Beglaubigungsinstanzen: Akteure und Gruppen, partizipative Modelle, Institutionen und Medien, sozialmoralische Milieus, kulturelle Räume.
Die Jahrestagung versteht sich als ein Beitrag zum Wissenstransfer. Sie richtet sich nicht allein an eine geschichtstheoretisch informierte Fachwelt, sondern an alle, die in Museen, in der Schule, in Gedenkstätten, in der Politik, in den Medien und in der Alltagsdiskussion Geschichte verhandeln, und findet in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung statt.
Weitere Informationen folgen in Kürze hier und auf der Website des Forschungsverbundes.
Friedrich-Ebert-Stiftung
Berliner Häuser, Haus 1
Hiroshimastraße 28
10785 Berlin