Bilder von Leichtigkeit und Normalität inmitten einer Welt, die zutiefst erschüttert wurde.
Im Urlaub, beim Sport, selbst auf der Flucht und nach der Ankunft im Exil: Während der Zeit des nationalsozialistischen Terrors hielten Jüdinnen und Juden ihren Alltag mit der Kamera fest. Ihre Fotos bewahrten sie oft in selbst gestalteten Alben auf. Die herausgestellte Leichtigkeit und die Normalität der Bilder stehen quer zum Wissen um die Anfeindung und Entrechtung, die die Abgebildeten als Juden erfuhren. In einer Zeit, in der ihre gesamte Lebenswelt zutiefst erschüttert wurde, gewinnen sie aber eben dadurch an Bedeutung. Anhand einer sensiblen Analyse von mehr als hundert größtenteils unbekannten Sammlungen zeigt Robert Mueller-Stahl, wie die private Fotografie für Jüdinnen und Juden zu einem Medium der Selbstbestimmung wurde. Kamera und Album ermöglichten es ihnen, sich so zu sehen und zu erinnern, wie sie selbst es wollten. Die Fotos widersetzen sich nicht nur den Blicken der Tätergesellschaft, sie fordern auch die heutigen Vorstellungen über das jüdische Leben der Zeit heraus. Inmitten von Verfolgung und Vernichtung sind es Zeugnisse des Lebens.
»Das Leben festhalten. Deutsch-jüdische Privatfotografie in den 1930er Jahren« erscheint am 10. April 2026 in der Reihe »Visual History. Bilder und Bildpraxen in der Geschichte« des Wallstein-Verlages.
Robert Mueller-Stahl ist assoziierter Wissenschaftler am ZZF Potsdam in der Abteilung III: »Medien- und Informationsgesellschaft«. Für seine Dissertation zu zu deutsch-jüdischer Privatfotografie in den 1930er Jahren wurde er mit dem Humboldt-Sonderpreis für Forschung zu Judentum und Antisemitismus der HU Berlin ausgezeichnet.