Das Ministerium für Staatssicherheit und der bundesdeutsche Rechtsterrorismus, 1970-1990
Dissertationsprojekt
In Reaktion auf die verstärkte Wahrnehmung terroristischer Gewalt als Bedrohung für den eigenen Staat rief das Ministerium für Staatssicherheit im Jahr 1975 eine Diensteinheit zur „Terrorabwehr“ ins Leben, die sich unter anderem mit rechtsterroristischen Kräften in der Bundesrepublik auseinandersetzte. Die Arbeit des MfS beschränkte sich diesbezüglich jedoch nicht nur auf eine Beobachtung der Szene, sondern beinhaltete teils enge Kontakte sowie Kooperation mit deren Akteuren.
Eine differenzierte Klassifikation dieses (Wechsel-)Verhältnisses im Laufe des Untersuchungszeitraums bildet den Kern des Dissertations-Projekts. Ein besonderes Augenmerk liegt auf möglichen (Dis-)Kontinuitäten von Erwartungshaltungen und Zielsetzungen sowie damit verbundenen Legitimationsstrategien. Diskrepanzen zwischen Zielsetzungen und tatsächlicher Praxis sollen hierbei ebenso Berücksichtigung finden wie theoretische Konzepte des MfS in Bezug auf die extreme Rechte.
Lisa Berchtold ist Doktorandin am Historisches Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München. Am ZZF arbeitet sie während ihres Gastaufenthaltes an ihrem Promotionsprojekt "Das Ministerium für Staatssicherheit und der bundesdeutsche Rechtsterrorismus, 1970-1990" weiter. Sie ist Visiting Fellow in Abteilung IV: Regime des Sozialen.