Assoziiertes Forschungsprojekt
Das Projekt untersucht Aufstieg, Blütezeit und Niedergang eines gewaltfreien revolutionären Deutungsrahmens, der über mehrere Jahrzehnte hinweg den weltweiten Diskurs über gesellschaftlichen Wandel prägte. Diese Ära – die mit der Nelkenrevolution in Portugal begann und den demokratischen Wandel in Lateinamerika, Südostasien, Südafrika sowie Osteuropa umfasste – fand ein jähes Ende mit der Euromaidan-Revolution in der Ukraine sowie der gewaltsamen Niederschlagung des Arabischen Frühlings in Ägypten und der Regenschirm-Revolution in Hongkong.
In diesen vier Jahrzehnten war Gewaltfreiheit mehr als nur eine von Protestierenden angewandte Taktik, wie es im gesamten 20. Jahrhundert der Fall gewesen war. Tatsächlich entwickelte sich Gewaltfreiheit zu einem auch von Regimen akzeptierten Deutungsrahmen, da autoritäre Machthaber darauf reagierten und sich ihr bisweilen sogar beugten. Zwar haben die Proteste gegen autoritäre Regime seit 2014 nicht nachgelassen, doch besitzt das Prinzip der Gewaltfreiheit nicht mehr jene Überzeugungskraft, die es in der vorangegangenen Ära auszeichnete. Um zu verstehen, wie diese Ära entstand, wie sie erlebt wurde und warum sie endete, konzentriere ich mich auf die Straßenerfahrung der Revolutionen und betrachte, wie sich die Repertoires des Protests im Laufe dieser Zeit wandelten.