Ende Juli eröffnete der Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V. auf dem Flüchtlingsfriedhof der Kriegsgräberstätte in Oksbøl an der dänischen Westküste die Daueraustellung „DER LANGE WEG ZUM FRIEDEN. Deutsche Flüchtlinge in Dänemark“. Kuratorin ist Dr. Corinna Kuhr-Korolev, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZZF Potsdam. Die neue Ausstellung komplettiert das Bildungsangebot der Kriegsgräberstätte vor Ort. Sie ergänzt die im vergangenen Jahr von 30 Geschichts-Studierenden aus Dänemark und Deutschland erarbeitete Sammlung von online abrufbaren Lernmaterialien zur deutsche Kriegsgräberstätte Oksbøl: Eine Broschüre mit sieben Lernmodulen, darunter zwei Audioguide-Touren. An dem internationalen Studierenden-Projekt war u.a. der Bereich Public History des ZZF Potsdam beteiligt.
Die Dauerausstellung auf dem Flüchtlingsfriedhof vermittelt historisches Hintergrundwissen zum Thema "Deutsche Flüchtlinge in Dänemark" und erläutert anhand von Biografien das Schicksal einzelner Familien. "Die multimediale Ausstellung ist gegliedert in die drei Teile Kontext, Lagerleben und Erinnerung. Wobei der Schwerpunkt auf der Flucht und dem Überleben im Lager liegt. Sie wird zudem dreisprachig angeboten, in Dänisch, Deutsch und Englisch. Und sie gibt durch Kinderzeichnungen aus dem Lager Anknüpfungspunkte für Familien", erläutert Corinna Kuhr-Korolev die Ausstellungsinhalte, die das Bildungsangebot des benachbarten Museums FLUGT ergänzen.
Der Ort Oksbøl gehört zu den größten Kriegsgräberanlagen Nordeuropas und ist zentraler Erinnerungsraum für deutsche Zivilisten und Militärangehörige, die im Zweiten Weltkrieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Dänemark starben. Die neue Dauerausstellung ergänzt die Gedenkstätte um ein eigenständiges Gebäude. Von diesem aus können die Besucherinnen und Besucher auf den Friedhof mit den Gräbern blicken. "Auf dem Flüchtlingsfriedhof in Oksbøl in Dänemark sind zivile Kriegsopfer beigesetzt, die im Flüchtlingslager Oksbøl verstarben. Es handelt sich um deutsche Flüchtlinge vornehmlich aus Ost- und Westpreußen, die in den letzten Kriegsmonaten von der Wehrmacht nach Dänemark evakuiert wurden. Nach der Kapitulation sah die dänische Regierung sich gezwungen, etwa 250.000 Menschen der ehemaligen Besatzungsmacht im Land zu versorgen und entschied sich für ihre Internierung", erläutert die Historikerin Corinna Kuhr-Korolev. Die Bewertung der damaligen Flüchtlingspolitik, so Kuhr-Korolev, bleibe in der dänischen Gesellschaft umstritten, während in Deutschland weitgehend Unwissen über dieses Kapitel der deutsch-dänischen Beziehungen herrsche.
Die Ausstellungstexte entstanden in enger Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen vom Varde-Museumsverbund, zu dem das Museum FLUGT gehört. Der Besuch auf dem Friedhof bildet einen Teil des Vermittlungsangebots des Museums FLUGT. "Deshalb kann die neue Dauerausstellung mit einer großen Reichweite und bis zu 50.000 Besucherinnen und Besucher jährlich rechnen", freut sich die Kuratorin Corinna Kuhr-Korolev.
Weitere Informationen:
- Artikel zur Ausstellungseröffnung auf der Website des Volksbundes https://www.volksbund.de/it/nachrichten/fluchtpunkt-daenemark-vom-leben-und-leid-im-lager
- Weitere Fotos der Dauerausstellung sehen Sie auf der Website der kursiv | text – objekt – raum GmbH (Projektleitung der Ausstellung) https://www.text-objekt-raum.de/projekte/oksb%C3%B8l.html